Das britische Medium Annie Brittain (1880-1969)

Annie Brittain (1880–1969) war ein britisches Trance- und hellsichtiges Medium, das in den 1920er Jahren sehr bekannt war und zum Lieblingsmedium von Sir Arthur Conan Doyle wurde. Die Lebensgeschichten der Pionier:innen der Medialität sind nicht nur spannend zu lesen, sondern erinnern uns auch daran, um was es in der Medialität bis heute geht. Viele von ihnen wurden wegen ihrer Begabung angefeindet, mussten Bussen bezahlen oder landeten sogar im Gefängnis.

Eine dieser aussergewöhnlichen Pionierinnen war Annie Brittain. In den 1920er Jahren war der Spiritualismus sehr beliebt, da die Menschen wegen des Ersten Weltkriegs und der Spanischen Grippe-Pandemie von 1918 enorme Verluste erlitten hatten. Sie wollten von ihren Angehörigen hören, die oft weit weg umgekommen waren.

Annie Brittain war aus zwei Gründen bekannt: Einerseits hielt Sir Arthur Conan Doyle, der Autor der Bücher über Sherlock Holmes, grosse Stücke auf sie. Er hatte seinen Sohn durch die Grippe-Pandemie verloren und sein jüngerer Bruder starb wenige Wochen später an einer Lungenentzündung.

Prophezeiung für Fanny Higginson

Andererseits sagte Annie Brittain der 14-jährigen Fanny Higginson 1903 in der Longton Spiritualist Church, sie werde ein bekanntes Medium werden und einen Sohn haben, der ein weltberühmtes Bühnenmedium werde – tatsächlich gehört Gordon Higginson bis heute zu den weltweit wichtigsten Medien.

Annie fuhr fort, dass sie Fannys Mutter bei sich habe. Fanny glaubte ihr nicht und sagte: „Wir haben sie zu Hause gelassen, um hierherzukommen.“ Annie antwortete: „Nein, meine Liebe, deine Mutter ist verstorben, während du hier gesessen bist.“ Als Fanny nach Hause zurückhastete, fand sie ihre Mutter tot vor: sie war an einem Herzinfarkt gestorben.

Damit hat Annie Brittain eindrücklich bewiesen, dass prophetische Aussagen möglich sind, wenn ein Medium wirklich mit der geistigen Welt verbunden ist.

“Brittain’s Psychic Institutes” in Nottingham

Im Jahr 1904 heiratete sie Frederick Brittain, und noch im selben Jahr kam ihr erster Sohn zur Welt. Sie gründeten in Nottingham eine Praxis für magnetische Heilung, die sie „Brittain’s Psychic Institutes“ nannten. Frederick arbeitete als Magnetheiler und Annie als hellsichtiges Medium und Psychometrikerin.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es viel schwieriger, als Medium zu arbeiten, als es heute der Fall ist. Als Annie berühmt wurde, versuchten die Leute, sie zu diskreditieren, und behaupteten, sie würde Geld für falsche Informationen verlangen. 1907 wurde sie verhaftet und wegen unrechtmässiger Wahrsagerei angeklagt. Die Ehefrauen von zwei Polizisten hatten sie für eine Sitzung aufgesucht und ihre Aussagen nicht für glaubwürdig befunden – sie hatte sich beim Alter einer ihrer Mütter geirrt. Die Beweislage reichte für eine Verurteilung nicht aus, und das Verfahren wurde eingestellt. Drei Jahre später wurde sie in einem anderen Fall für schuldig befunden und zu einer Geldstrafe von einem Pfund verurteilt.

1915 wurde Annie erneut Opfer einer verdeckten Ermittlungsaktion und wegen vorgetäuschter Wahrsagerei angeklagt. Zu diesem Zeitpunkt – der Erste Weltkrieg dauerte seit über einem Jahr an und viele Männer waren im Krieg – sehnten sich die Menschen verzweifelt nach Nachrichten von ihren Angehörigen und wandten sich an Medien, um etwas über Vermisste zu erfahren. Diesmal wurde Annie zu einer Geldstrafe von fünf Pfund und fünf Shilling sowie zur Übernahme der Gerichtskosten verurteilt.

Lieblingsmedium von Sir Arthur Conan Doyle

Nach dieser zweiten Verurteilung zogen Annie und Frederick nach London, wo sie 1917 einen weiteren Sohn zur Welt brachte. Ein Jahr später begann Annie, mit Sir Arthur Conan Doyle zusammenzuarbeiten. Er suchte sie im Sommer 1918 auf und war bereits bei seinem dritten Besuch im November vollkommen von ihren Fähigkeiten überzeugt. Er hatte seinen Sohn Kingsley während der Grippe-Pandemie verloren, und bei seinem dritten Besuch sprach Annie in Kingsleys Stimme mit ihm und versicherte ihm, dass er glücklich sei. Annie war dafür bekannt, während ihrer Arbeit in Trance zu fallen, und nahm oft die Eigenschaften der Verstorbenen an, die durch sie sprachen.

Annie Brittain und Harry Houdini

photographer Smith, St. Louis; McManus-Young Collection, Public domain, via Wikimedia Commons

Harry Houdini und seine Frau.

1920 traf Conan Doyle den berühmten amerikanischen Entfesselungskünstler Harry Houdini. Da er wusste, dass Houdini um seine verstorbene Mutter trauerte, empfahl Doyle ihm, Annie Brittain aufzusuchen. Houdini und seine Frau wünschten, dass sie Kontakt zu seiner Mutter aufnahm. Der Versuch schlug fehl, und Houdini sagte Conan Doyle später, Annie Brittain habe ihn nicht überzeugt. Sie habe nur allgemeine, lächerliche Sachen gesagt.

Houdini war ein langjähriger Kritiker des Spiritualismus und hatte sogar ein Buch darüber geschrieben: „A magician among the spirits“. Zu Beginn seiner Karriere hatte er selbst Séancen abgehalten und war bestens mit den Tricks vertraut, die einige Leute anwandten. Er wollte unbedingt beweisen, dass alle Medien Betrüger:innen seien.

Doyles Überzeugungen blieben jedoch unerschütterlich. Er wurde zum Präsidenten des British College of Psychic Science und war in seinen letzten 14 Lebensjahren ein grosser Verfechter des Spiritualismus, den er als „das Wichtigste auf der Welt“ bezeichnete.

1935 erschien Annies Autobiografie „Twixt Earth and Heaven“, in der sie ihre zahlreichen Erfahrungen mit übersinnlichen Phänomenen und deren Weitergabe an Klient:innen ausführlich beschrieb. Sie war der Ansicht, dass der Hauptzweck des Lebens darin bestehe, den eigenen Charakter zu stärken, damit wir unseren physischen Körper einfacher verlassen und in die geistige Welt übergehen könnten.

Möchten Sie einen Jenseitskontakt erleben?

Möchten Sie selbst einen Jenseitskontakt erleben und für einen kostbaren Moment mit einem lieben verstorbenen Menschen in Kontakt sein? Ich biete vor Ort in Bern und online Jenseitskontakte und intuitive Beratungen an. Melden Sie sich gerne bei mir.

Weiter
Weiter

B.K.S. Iyengar in Washington: Wie ich den Yoga-Guru erlebte